Dänemark mit dem Rad

Unsere Reise in Dänemark beginnt im Südosten gleich hinter Flensburg und der deutschen Grenze.


Die erste Nacht verbringen wir in einem großen, alten Buchenwald. In einem Kreis von sogenannten Sheltern suchen wir uns eins von diesen vier hölzernen Unterständen mit großer Liegefläche und Platz für bis zu vier Isomatten aus. In der Mitte ist eine hergerichtete Lagerfeuerstelle mit verstell- und schwenkbarem Grillrost, trockene Holzscheite für das Feuer sind ebenfalls vorhanden. Einige Meter weiter steht eine winzige dreieckige Kammer mit einem Herz in der Holztür. In ihr verbirgt sich die Toilette in Form von Plumsklo. Hier erleben wir auch das erste Gewitter auf unserer Reise, was uns einige Zeit wach hält. In unseren gekoppelten Strech-Schlafsäcken kuscheln wir uns aneinander und zählen die Sekunden nach dem Blitz. Wir haben Glück und das Gewitter zieht ein Paar Kilometer an uns vorbei.



Nach dem Frühstück fahren wir los in Richtung Aabenraa (Nationalradweg 8), wie gewohnt gibt es für jeden zwei Tassen Haferflocken mit Rohrzucker, Marmelade, einer Hand voll Wallnüsse und Sonnenblumenkerne dazu eine Tasse heißen Instant-Kaffee. Die Landschaft ist hier im Süden Dänemarks hügelreich. Wir fahren vorbei an weiten Feldern mit Löwenzahnblüten und einigen Schafherden. Die Radwege verlaufen auf äußerst gut asphaltierten Landstraßen. In der kleinen Hafenstadt füllen wir bei einem großen Discounter unsere Vorräte für drei Tage auf und fahren weiter ins Landesinnere. In jedem Dörfchen und von jedem Gutshof wehen uns die dänischen Wimpel entgegen.



Zwischen Nord- und Ostsee kehren wir abermals an einem Shelter Platz ein. Hier stehen zwei im Blockhaus-Stil errichtete Unterstände mit Gründach. Ein angrenzendes Gemeindehaus versorgt uns mit Wasser und am nächsten Morgen sogar mit einer warmen Katzenwäsche. Die anfänglichen Hügel an der Ostseeküste haben wir inzwischen hinter uns gelassen. Wir kämpfen nun nur noch gegen den feinen dänischen Regen und etwas Gegenwind. Angekommen an der Nordseeküste fahren wir über einen 10 km langen Damm über das Wattenmeer und vorbei an Salzwiesen die mit rosa farbenen Blüten gesprenkelt sind zur Insel Rømø.

Über unseren Köpfen jagen zwei Düsenjets hinweg, in spektakulären Flugmanövern mit Schrauben und Loopings verschwinden sie in Richtung Norden. Wir fahren ihnen hinterher und am nördlichen Ende der kleinen dänischen Insel kommen wir an ein Trainingsgelände des Militärs an. Nun stehen wir hier mit mehreren anderen Schaulustigen an einem Ausguck und bestaunen die Übungsflüge, die, wie wir herausfinden, wohl täglich stattfinden. Gegen Mittag ziehen die Jets ab und wir fahren einen groben Schotterweg hinter dem Deich entlang. Auf der anderen Seite des Deiches gibt es eine Vielzahl von Wattvögeln zu entdecken. Ringelgänse schwimmen im seichten Wasser. Mantelmöwen sonnen sich auf dem Sandboden und einige Austernfischer jagen zwischen den anderen Wattvögeln kleinen Insekten hinterher. Auch ein Seehund streckt kurz seine Schnauze aus dem Wasser, bevor er vor den wieder eintreffenden Militärflugzeugen Reißaus nimmt. Zurück auf dem Festland liegen noch ein Paar Kilometer Schotterweg entlang des Eurovelo 12 bis zum nächsten Schlafplatz in Vester Vedsted vor uns.



Die Shelter Plätze finden wir mittels der gleichnamigen dänischen App. Es lässt sich nach Zelt- und Hüttenplätzen unterscheiden und sogar nach Dingen wie WC, Feuerstelle oder Wasseranschluss filtern. Eine Internetverbindung wird allerdings benötigt um nach den Plätzen zu suchen und um diese auf einer Karte darzustellen. Ein Import in eine andere Navigationsapp ist ebenfalls möglich und äußerst nützlich. Wir haben zurzeit das Privileg quasi als einziger diese Shelter zu nutzen, zur normalen Urlaubszeit können wir uns vorstellen, dass einige dieser Plätze sehr begehrt sind. Eine Reservierung ist allerdings gegen eine kleine Gebühr auch möglich.


So kehren wir also auch an diesem Abend an einem Ort direkt hinterm Deich ein. Hier stehen vier Hütten mit jeweils zweigeschossiger Liegefläche, Feuerstelle und nahegelegenem WC.


Der dänische Sommer will sich auch in den folgenden Tagen nicht zeigen. Wir folgen dem Eurovelo 12 weiter. Nach Esberg ändert sich die Landschaft bald und wir fahren entlang der Küste durch Heideflächen und sandige Kiefernwälder.

Das Gebiet rund um Vejers wird teilweise als Truppenübungsplatz genutzt. Panzer zerpflücken regelmäßig den Boden, wobei ein einmaliger Lebensraum für einige Pflanzenarten entsteht, welche auf diesen Wechsel und immer neue entstehende Wasserflächen angewiesen sind. Uns gefällt das Naturschutzgebiert hier sehr gut, genauso wie den vielen Dänen die hier ihre Sommerhäuser haben. Die kleinen schwarzen vielmals L-förmigen Häuser mit Gründach passen sich perfekt in die Dünenlandschaft ein. Vereinzelte Dachspitzen schauen an den ein oder anderen Stellen noch hervor und nur die gehissten Wimpel verraten die Anwesenheit von anderen Personen. Zwischen den dichten Wäldern und Dünen gibt es immer wieder grüne Wiesen auf denen Rotwild grast.


Am nächsten Tag folgen wir dem Eurovelo weiter nach Søndervig. Ein endloses Gewirr aus Schlangenlinien, kurzen Anstiegen und ebenso kurzen Abfahrten führt uns an diesem Tag über halbwegs feste Sandwege zu den ersten Bunkern der dänischen Westküste. Wie gestrandete Wale verteilen sich die großen Betonklotze auf dem langen, breiten Sandstrand. Sie sind Überbleibsel des zweiten Weltkrieges und Teil des Atlantikwalls. Zwischen 1940 und 1945 wurden die Bunker an der Küste Jütlands errichtet.

Nach einer entspannten Nacht im hölzernen Tipi an einem der Seen halten wir morgens noch kurz am Supermarkt um unsere Vorräte abermals zu füllen und fahren weiter Richtung Norden. Glücklicherweise wird die Landschaft an diesem Tag etwas abwechslungsreicher, neben schönen Dünen fahren wir durch Heidelandschaft und Wald als plötzlich wie aus dem nichts ein kleiner Hirschbock nur wenige Meter vor uns ganz gemächlich über den Weg spaziert. So schnell wie er auftauchte, war auch schon wieder im dichten Gebüsch verschwunden.


In Thorsminden verbringen die Familien ihre Sonntage offensichtlich gern mit dem Fischen. Sie stehen in Reih und Glied im Hafen, alle haben eine Rute in der Hand, die Angelschnur gespickt mit fünf Haken. Wir verweilen hier eine Weile und schauen uns das Spektakel an. Einer nach dem anderen, von jung bis alt, holen einen Hering nach dem nächsten heraus, an jedem der fünf Haken zappelt ein Fisch. Unser Staunen bleibt nicht lange unbemerkt und bald bekommen wir von einer freundlichen sechsköpfigen Familie eine Tüte mit Heringen fürs Abendessen geschenkt.



Den Abend verbringen wir an einem Shelter Platz direkt am Meer. Einige Wohnmobile und Camper haben sich ihren Stellplatz in der ersten Reihe und den Blick aufs Meer schon gesichert. Neben uns übernachten auch drei stattlich gebaute Männer vom Typ Wikinger am Fjaltring Strand und Shelter Plats. Sie haben ihren Schlafplatz schon mit Schafsfell ausgelegt und füllen ihre hölzernen Krüge als wir eintreffen gerade mit feinstem, dänischen Gerstensaft.

Nachdem wir uns den zweiten und letzten Schlafplatz eingerichtet und die frischen Fische entschuppt und ausgenommen haben, teilen wir uns das Lagerfeuer mit den drei bärtigen Herren. Bei einem Gläschen Portwein tauschen wir am Feuer ein Paar Geschichten aus, ehe der Regen jeden in seinen Shelter treibt. Nach einer angenehmen Nacht bekommen wir noch ein kleines zweites Frühstück in Form von Lachsbaguette, welches einer der drei morgens mit voller Hingabe hergerichtet hatte.


Wir kehren der Nordsee nun den Rücken zu und fahren ins Landesinnere. Dort wartet endlich wiedermal eine Dusche auf uns. Auf dem kurzen Weg dorthin nehmen wir noch am Straßenrand eine große Portion Eier als Gastgeschenk mit. Wie wir es schon aus Deutschland kennen, werden hier an einigen Ecken Selbsterzeugnisse wie Eier, Marmelade oder Honig angeboten. Die Bezahlung erfolgt entweder ganz modern per App auf die Telefonnummer des Verkäufers oder klassisch in Bargeld-Form.


Wir verbringen den Tag bei einer netten

dänischen Familie in der Gegend um Lemvig, werden reichlich bekocht, lernen ein Paar dänische Wörter, können Wäsche machen und abends im eigenen Shelter schlafen.


Erholt starten wir am nächsten Tag Richtung Osten. Bis zur Ostseeküste sind es noch ein Paar Tage.


Die Region Midtjylland ist sehr abwechslungsreich. Auf flachen Feldern folgen gerne auch mal steile Hügel von denen aus man einen atemberaubenden Blick auf die riesigen, gelben Rapsfelder hat. Auch hier bleiben wir natürlich nicht vom Regen verschont. Wir sind aber so optimistisch, dass es nur ein kurzer Schauer sein wird und halten diesmal nicht um unsere Regenhose überzuziehen. Ein Fehler und wir werden bis auf die Unterwäsche nass.


Diese Nacht verbringen wir an einem Shelter Mitten in der Stadt Aars. Er befindet sich in einem kleinen Waldstück umgeben von Wohnhäusern und Kindergarten. Nebenan sind Spülbecken und ein WC, welches sich leider nicht über einen SMS Code freischalten lässt. Nachdem wir unseren Schlafplatz eingerichtet und das Lagerfeuer angeschmissen hatten, kamen die ersten Personen an. Sie hatten den großen, hölzernen Pavillon für eine kirchliche Veranstaltung reserviert und begannen ihn mit Blumen, Kerzen, Tischdecken und alles was dazu gehört zu schmücken. Nachdem jeder etwas auf Dänisch vorgetragen hatte, bildete die Gruppe, inzwischen waren es etwa 30 Personen, einen Kreis ums Lagerfeuer und sangen Kirchenlieder.



Unser Weg führt uns in die Nähe von Dokkeldal an der Westküste Dänemarks, wo Elche in halbwegs freier Natur leben sollen. Das Tor zum Park zeigt schonmal einen riesigen Elch und der Boden ist durch breite Viehroste geteilt. Das weckt auf jeden Fall schonmal Erwartungen. Am Tofte Sø, dem ersten großen See stehen auch schon schöne Picknick Bänke, wo wir Mittag machen. Ein Paar interessante Vögel schwimmen und fliegen in der Zwischenzeit vorbei, wie z.B. ein Schwarzhalstaucher. Ein Stück weiter gibt es eine große Beobachtungshütte mit tollen Zeichnungen von den hier vorkommenden Vögeln. Die vorinstallierten Ferngläser sind zu unserem erstaunen sogar kostenlos nutzbar, man brauch keine Münze einwerfen damit sie funktionieren. Das Besucherzentrum Vildmose hat sich für den Parkplatz etwas Feines ausgedacht. In jeder Ecke sind Lautsprecher installiert die Geräusche von z.B. vorbeiziehende Kraniche oder eines Schwarms Stare abspielen.


An diesem Tag fahren wir noch eine ganze Ecke weiter bis zu Küste, wo wir dann wieder auf den Eurovelo 12 stoßen. Wir setzten mit einer Fähre über nach Hals Havn. Die Fahrt dauert keine 15 Minuten und dort kommen wir am Nachmittag an. Wir verbringen dort noch eine Weile und bestaunen die alten Fischerboote und die roten Hafenhäuschen, bevor wir uns im Supermarkt eindecken und weiter zum Shelter fahren. Dieser ist nur wenige Meter hinter der Stadt, gelegen an einem großen Sportplatz und einer Schule. Neben zwei Pizzaöfen, großem Kochbereich und vier Nischen zum Schlafen, gibt es sogar einen kleinen Streichelzoo mit vielen süßen Ziegen, klein und groß.


Bevor wir am nächsten Morgen weiter Richtung Norden und Frederikshavn fahren, schauen wir uns noch das Museum am Hafen an. Das Hauptgebäude liegt in einer Sternförmigen Wallanlage mit Wassergraben ringsherum und in den Ecken des Walls stehen noch alte Kanonen.



Auf dem Weg zu unserem letzten Nachtlager in Dänemark können wir uns nicht verfahren, denn es geht immer gerade aus, das Meer zu unserer Rechten. Hier, etwa 15 km vor Frederikhavn, zwischen Dünen, Heidefläche und Kieferwald liegt eine auf Stelzen errichtete Hütte. Es gibt außerdem noch eine Lagerfeuerstelle und Picknick Tische. Wir kommen schon früh an, spazieren etwas durch die Dünen bis zum Meer und verbringen den Abend am Lagerfeuer, als Nachtisch gibt es Schokobanane. Als wir abends in der geschützten Hütte liegen, gesellen sich zwei Rauchschwalben zu uns.

Beiden Schwalben sind morgens schon verschwunden als wir aufwachen.

Wir frühstücken hoch oben mit dem Blick auf die Heidefläche und das Meer. Schöner hätte der Abschied aus Dänemark nicht sein können.


Zeitig kommen wir in Frederikhavn an, denn wir benötigen noch einen Covid-Test und die Tickets für die Fähre nach Göteborg müssen wir auch noch kaufen. Den Test können wir direkt im Hafen machen lassen, er ist zu unserem Erstaunen kostenlos. Nach etwa 15 Minuten haben wir auch schon die Ergebnisse, negativ. Jetzt steht der Überfahrt nach Schweden nichts mehr entgegen. In der Innenstadt decken wir uns im Supermarkt noch mit ein Paar Snacks für die Fahrt ein und warten am Hafen dann bis es los geht.



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