Der östlichste Radweg Deutschlands – Oder-Neiße-Radweg D12

Der Oder-Neiße-Radweg schlängelt sich über rund 600 km von der Quelle der Neiße in Tschechien, entlang der Oder und deutsch-polnischen Grenze bis zur Ostsee.


In Gorgast bei Kostrzyn nad Odra sind wir nach langen 90 km durch deutschen Spreewald auf den Radweg an der Oder gestoßen. Dieser ist äußerst gut ausgeschildert, leicht kann man den kleinen roten D12-Schildern folgen.



Auf der deutschen Seite gibt es zu Beginn einen weiten Grünstreifen zwischen Radweg und Fluss, dieser bietet vielen Tieren einen nahrungsreichen Lebensraum. In den Oberauen sahen wir an einem Tag so viele Rehe, wie in den vergangenen zwei Wochen nicht. Sogar einen äußerst seltenen Schwarzstorch entdeckten wir in einer Gruppe von Kranichen.



Der Radweg verlief teilweise auf dem Schutzdeich von wo man einen herrlichen Blick auf die Oder und die polnischen Wälder hat, teilweise auch etwas windgeschützt dahinter. Auch hinter dem Deich gibt es viele kleinere geschützte Feuchtgebiete und Viehweiden mit riesigen alten Bäumen. In Güstebieser Loose (nach ca. 30 km) fuhren wir eine Stichstraße hinunter zum Fluss mit Aussichtspunkt auf das polnische Dörfchen Gozdwice. Immer wieder fanden wir entlang des Radwegs Informationstafeln über die Besetzung und Übernahme der kleinen deutschen Dörfer durch die sowjetische Armee im zweiten Weltkrieg und die vielen Gefallenen. In Höhe Hohensaaten hatten wir einen wundervollen Blick auf das fast 3 km breite Feuchtgebiet auf polnischer Seite. Mit etwas Glück erspäht man den ein oder anderen Seeadler. Was bei uns im Ruhrgebiet eine absolute Rarität ist, ist hier keine Seltenheit.


Nationalpark Unteres Odertal Oder-Neiße-Radweg knufbergstravel

Etwas später verlässt der Radweg die Oder und verläuft entlang der Alt Oder. Hier schliefen wir in Stolpe auf einem Wohnmobilstellplatz, mit Lagerfeuerplatz und Lama Gehege. Nach unserer kleinen Wanderung mit Schaufel und Papierrolle, trafen wir unsere Stellplatznachbarn. Nach einer kleinen Unterhaltung machten wir es uns in unserem Zelt gemütlich.


Etwas später „klopfte“ es an unser Zelt. Eine Hand streckte uns einen Teller mit Bratwürstchen entgegen.

Ein wohlbekommener Gute Nacht-Snack. Als Stefan den Teller wegbrachte, verschwand er für gefühlt eine Stunde, so lange dauert es nämlich jedes Mal neuen Bekanntschaften unsere Geschichte zu erzählen.


Von diesem Moment an merkten wir, wir sollten uns eine Kurzfassung überlegen, sonst bleibt nicht mehr viel Zeit vom Tag fürs Radfahren übrig bei all den freundlichen Menschen, die wir auf unserem Weg treffen. Jedenfalls kam er irgendwann zurück mit einer Thermoskanne heißem Wasser und einer Tasse Tee.


Die Strecke des nächsten Tages rief Heimatgefühle hervor. Entlang des Flusses erinnerte uns die Landschaft an den Radweg entlang der Ruhr bis nach Hattingen. Es ging nun abseits des Wassers in Richtung Felder, eine nette Abwechslung aber nicht weiter sehenswert. Von einem freundlicher Forstbesitzer erfuhren wir, dass sich hier der Wolf schon breit gemacht hat. Man sieht ihn im Rudel sogar am helllichten Tag, berichtete er. Wir schliefen an einem hübschen mit Schilf bewachsenen Dorfsee. Die Rohrdommel begleitete unser Abendessen und nachts wurden wir von der Nachtigall nochmal zum Sternekonzert bei Vollmond geweckt.



Unser nächster Stopp war der Stettiner Haff. Der Weg dorthin führte uns durch sehr schöne Kiefernwälder. Hier am zweitgrößten Haff der Ostsee machten wir unsere Mittagspause an einem Aussichtsturm und hielten vergebens Ausschau nach ein Paar Sehenswürdigkeiten in der Tier- und Vogelwelt. In Ueckermünde endete unser Tag. Wir fanden einen Platz für unser Zelt im Garten eines Pferdebesitzers und Viehzüchters mit einem großen Herz für die Tierwelt. In seinem Pferdestall brachte er für die Rauschschwalben einige Bretter an, damit sie dort mehr Platz zum Sitzen und mehr Möglichkeiten zum Nisten haben. Am nächsten Morgen bekamen wir nicht nur Wasser und frisch gelegte Eier der eigenen Hühner, er nahm uns auch mit auf die Weiden, zeigte uns die neugeborenen Kälber der letzten Nacht und erzählte uns viel über die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern und die Haltung von Bioland-Kühen.



Von Ueckermünde fuhren wir weiter entlang des Oder-Neiße-Radwegs nach Anklam. Unser Ziel, der Anklamer Stadtbruch. Am Eingang des Nationalparks erhielten wir einige Informationen über die Geschichte, die ehemalige Torfnutzung und Entstehung des Naturschutzgebietes. Markant für das Gebiet sind die großen Schilfflächen und die abgestorbenen Bäume. Auch hier hat der Seeadler wieder einen beständigen Lebensraum für sich gewonnen. Der Radweg umrundet den Stadtbruch fast vollständig, sodass man mit einem einmaligen Rundumblick belohnt wird.



Wir verlasen den D12-Radweg und fuhren in Richtung Priemen. Eine Woche ist nun seit unserer letzten Dusche in Dessau vergangen und ein Warmshower Host erwartete uns. Hier hatten wir zum ersten Mal seit Beginn unserer Reise die Gelegenheit unsere Wäsche zu waschen. Während wir auf unsere Wäsche warteten, machten wir unten am Ufer der Peene dieses schöne Seeadler Foto.


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